Michaelskirche

Die Michaelskirche wurde 1830 bis 1834 erbaut, ist eine großzügige, helle und freundliche Saalkirche mit 450 Plätzen erbaut. Die Michaelskirche befindet sich im Ortszentrum und ist 400 Meter vom Pfarr- und Gemeindehaus entfernt.

Von der Berg-und Wallfahrtskirche zur Dorfkirche

Die Michaelskirche zu Winzerhausen

Seit 182 Jahren steht die Michaelskirche an ihrem heutigen Platz in Winzerhausen. Aus diesem Grund ist es angebracht, sich auch kurz mit ihrer Geschichte und den historischen Hintergründen vertraut zu machen. Die eigentliche Geschichte des Dorfes und die der Kirche beginnen erst so richtig mit der Reformation im Jahre 1555. Zuvor hatte Winzerhausen weder eine Kirche noch eine eigene Pfarrei. Deshalb macht es Sinn einmal zu den Anfängen zurückzublicken um den Beginn und auch das darauf Folgende besser zu verstehen. Nach der Verdrängung der Römischen Besatzung, durch den Berg (heute Wunnenstein, damals Michaelsberg) entstanden getrennt zwei kleine Siedlungen. Mit dem Sieg der Franken über die Alemannen gewannen diese beiden Siedlungen erst so richtig an Bedeutung. Die fränkischen Hochadelsfamilien siedelten sich an und die hier ansässigen Leute wurden zum christlichen Glauben bekehrt. Gemäß königlichem Befehl wurden für die Herrschaftsbereiche christliche Bekennungs – und Taufkirchen gebaut. Auf der einen Bergseite weihten die Großbottwarer ihr Gotteshaus dem heiligen Martin und auf der Richtung Ilsfeld liegenden Seite dem heiligen Michael. Die Michaelskirche wurde als sichtbares Zeichen des Sieges über die heidnischen Götter, als fränkischer Herrschaftsanspruch auf den Platz eines vorchristlichen Heiligtums, auf den damaligen Michaelsberg (heute Wunnenstein) gebaut. Somit hatte man täglich den Blick zum Berg und der Kirche vor Augen. Im Laufe der Zeit entwickelten sich die Siedlungen, die Dörfer weiteten sich aus und der Kirchensprengel vergrößerte sich ebenso. So war es verständlich, dass die Dörfer bald nach eigenen Kirchen verlangten. So baute die Herrschaft in Winzerhausen, etwas außerhalb des Ortsetters zunächst eine Kapelle für den Frühgottesdienst. Man weihte diese dem heiligen Nikolaus und die Bergkirche verlor ihre Funktion als Pfarrkirche. Sie wurde kurzerhand zu einer Wallfahrtskirche, da die damaligen Ansiedler recht bald bemerkten, dass der Berg im örtlichen Kleinklima eine besondere Stellung einnahm und eine Art Wetterscheide bildete. Bei Wetterunbill wurde deshalb dies Bergheiligtum angerufen und so hat man den Gebetserfolg der dortigen Kirchenglocke Anna-Susanna, (die uns als Geschichte in einer Ballade von Gustav Schwab erhalten ist) zugeschrieben. Die Reformation von Herzog Ulrich nach 1534 mit harter Hand eingeleitet, beendete das Schicksal des Michaelsberges mit seiner Kirche (der Michaelskirchturm ist uns heute noch als Aussichtsturm erhalten geblieben) und seit dieser Zeit heißt der Berg Wunnenstein. Es sollten aber noch viele Jahre vergehen bis es zum Neubau der Michaelskirche in Winzerhausen kam. Mit dem damaligen Pfarrer Scharffenstein der 1826 die Pfarrstelle in Winzerhausen antrat, es war seine erste Pfarrstelle, kam die seit Jahren erhoffte Wende. Ihm gebührt der Hauptverdienst um den Bau der neuen Kirche. Er schrieb damals: seit 1556 dient dem Gottesdienst eine Kapelle, welche vielleicht anfangs die ganze Einwohnerschaft fassen mochte. Die aber nach und nach, bei der zunehmenden Bevölkerung unzureichend wurde. Von seiner Hand ist ein drastisches Bild vom Endzustand der alten Nikolauskapelle überliefert. Die Kirche steht auf einem tiefen feuchten Grund, ist ein kaltes, düsteres und ungesundes Gemach, dass wenn es ein Gefängnis wäre von der Militärpolizei nicht geduldet und geschlossen würde. Die Hälfte der Gläubigen findet keinen Platz, Sonntag für Sonntag müssen viele in der Kälte vor der Kirche stehen, drinnen wird gedrängelt und man zankt sich um den Platz. Es werden in der Kirche und unter der Tür unfromme Sachen geredet und das Wort Gottes und der Segen gehen wirkungslos verloren. Redegewandt und wortgewaltig verstand er es den Bürgerausschuss und den Gemeinderat für den Kirchenbau zu gewinnen. Eindringlich und überzeugend waren auch seine Schriftsätze an die Kirchenleitung und den König. Seine Bemühungen waren erfolgreich und am 07. Mai 1833 war es dann soweit, es erfolgte die Grundsteinlegung für die neue Kirche. Durch die gute Arbeit der Kirchenpfleger war die Gemeinde vermögend und die Finanzierung stellte kein Problem dar. Die Bauzeit dauerte ein Jahr, das war bei den damaligen Hilfsmitteln eine Rekordzeit. Fast auf den Tag genau nach einem Jahr, konnte mit einem feierlichen Festgottesdienst am 13. April 1834 die Michaelskirche mitten im Dorf eingeweiht werden. Aus dem Bautagebuch geht hervor, dass es sich um eine großzügige, helle, freundliche Saalkirche handelt und über 450 Plätze verfügt und nun auf den Zuwachs der Gemeinde ausgerichtet ist. Mit einem gefälligen und heiteren Äußeren hat sie einen angemessenen Standort, bildet den Mittelpunkt im Ortskern und ist 400m vom Pfarr-und Gemeindehaus entfernt. Besonders hervorzuheben sei der wohlgewählte Standort der Kanzel, die an der Wand der mittäglichen Seite, in der Mitte der Gemeinde, von keinem Punkt zu fern angebracht ist und sich in gleicher Höhe wie die Emporen befindet. Auf der Westseite der Empore befindet sich auch die bei allen festlichen Anlässen und den Gottesdiensten schön erklingende Orgel. Der Altar befindet sich direkt unter der Kanzel und die auf der westlichen Seite befindliche Sakristei ist schön, hell und geräumig. Gegenüber der Sakristei befindet sich der Aufgang zur Empore. Das Gestühl ist in engen Blöcken angeordnet, die rechtwinklig aufeinander treffen. Der Haupteingang befindet sich im Westen und ein Nebeneingang im östlichen Teil des Kirchenschiffs. Zur linken wie zur rechten Seite des Haupteinganges befinden sich zwei große Gedenktafeln. Diese erinnern an die Gefallenen Dorfbewohner zweier Weltkriege im letzten Jahrhundert, die über viele Familien Leid, Not und Elend brachten. 1942 im letzten Krieg wurden zwei von drei Glocken demontiert, eingeschmolzen und das Material für kriegerische Zwecke missbraucht. Gott sei Dank hat sich nach dem Ende des Krieges alles zum Guten gewendet und die Gemeinde erfreut sich wieder an ihrem Klang. Die Glocken erhielten eine neue elektronische Steuerung und läuten zu jeder Viertel, Halben, Dreiviertel und vollen Stunde. In den Jahren 1960 bis 1969 wurde am äußeren Erscheinungsbild und dem Turm gearbeitet. Den 32m hohen Turm erreicht man über eine schmale und äußerst steile Treppe und gelangt so auch zum Glockenstuhl mit den 3 Glocken. Am Turm selbst wurde praktisch nichts verändert, sogar der Naturschiefer konnte beibehalten werden. Es folgten die Innenarbeiten. Die Warmluftheizung wurde mit neuem Stromanschluss auf Elektro-Bankstrahlungsheizung umgestellt und das Gestühl, zum Teil stark verwurmt, wurde erneuert. Auch die Beleuchtung ist nun heller und festlicher. Der Kirchenraum wurde renoviert und seit 1984 erstrahlt dieser in abgestimmten Farben hell und freundlich und durch die großen Fensterflächen kommt viel Helligkeit ins Innere.